"Future Group": Das 3. Treffen der Strategie-Gruppe zur Europäischen Sicherheitspolitik

18 Okt, 2007

Während man in Deutschland anfängt, herbstlich zu zittern, traf sich im malerischen und sonnigen Funchal vom 29. bis 30. Oktober zum dritten Mal die so genannte "Future Group" der Innenminister der vergangenen, aktuellen und zukünftigen Präsidentschaft der Europäischen Union. Mit an Bord war wohl auch wieder der Tross von Experten europäischer und nationaler Sicherheitsbehörden wie dem EU-Koordinator für Terrorismusbekämpfung Gilles de Kerchove und der Vizepräsident der Europäischen Kommission Frattini.

Deren Aufgabe ist die Abstimmung, Festlegung und zukünftige Ausrichtung der Leitlinien der Innenpolitik der Europäischen Union im Hintergrund. Dabei bedeutet für die Future Group wie für die kleinen G-Konferenzen Innenpolitik primär, handfeste Politik zur Absicherung des Innenraumes der EU nach außen und die Verfolgung eines gemeinsamen Sicherheitsprogramms nach innen zu betreiben, statt in Interviews und Reden mit bekannten Versatzstücken zu jonglieren.

Drei Themen standen auf dem Programm: Am ersten Tag Migrationspolitik, zu der heute nur die Bundestagsfraktion der Linken die kritische Pressemitteilung Menschenrechtsschutz an den EU-Grenzen sichern veröffentlichte, um auf die drastischen Abschottungsmaßnahmen hinzuweisen, die mit der "Migrationspolitik" der EU verbunden sind. Am zweiten Tag lauteten die Tagesordnungspunkte "Terrorismusbekämpfung und -prävention" sowie "Informationsnetzwerke". Eine Pressekonferenz gab es laut Programm nur am ersten Tag, Presseberichte zum 3. Treffen der Future Group (bis jetzt) keine.

Die einzige "längere" Mitteilung gab es von Seiten des Innenministeriums Portugals, das derzeit die EU-Präsidentschaft innehat (in Portugisisch - Portugal ist m. M. nach die schlechteste Präsidentschaft, was Kommunikation und Information angeht): Der Innenminister Portugals zog die Bilanz der europäischen Kooperation zur Terrorismusbekämpfung. "Positive Schritte hin zur Bekämpfung von vorbereitenden Akten zur Durchführung von Terroranschlägen" und "gegen die Finanzierung terroristischer Aktivitäten" wurden bereits unternommen, aber "es gibt immer noch einige Maßnahmen zu ergreifen" teilte Rui Pereira der Öffentlichkeit mit.

Der Minister ist überzeugt, dass sie notwendige Maßnahmen zur Bekämpfung terroristischer Konspiration sind, da immer mehr potentielle Terroristen nicht mehr "beständigen Organisationen" angehören. Auch die "Bestrafung der Rechtfertigung [von Terrorismus]" sollte bestraft werden, aber nicht "um die freie Meinungsäußerung einzuschränken, sondern der Rekrutierung terroristischer Mitglieder vorzubeugen" erklärte er.

Das Internet als "Raum der Freiheit" zu bewahren, aber sicherzustellen, dass es ebenso ein "Raum der Verantwortlichkeit" ist, sei eine der anstehenden Herausforderungen" sagte er. Sehr gehaltvoll und eindeutig sind die Worte des Innenministers Portugals auch nicht, ist man aber in Deutschland von unserem Innenminister gewöhnt. Aber sie zeigen auf, dass die Gemeinschaft der europäischen Präventionsstaaten noch einiges vorhat, um "potentielle Terroristen" in ihren Bevölkerungen präventiv aufzuspüren und sie deuten an, dass die Pläne für eine noch strengeren Kontrolle und Reglementierung des Internets, für die Aufhebung und Bekämpfung der anonymisierten Nutzung des Internets und Frattinis Zensur-Wünsche zur Einschränkung der Rezipientenfreiheit weiter verfolgt werden.

Worüber man in Funchal zu "Informationsnetzwerken" debattiert hat, bleibt ebenso im Dunkeln.

Damit kann der entstehende europäische Verbund von Zentren und Plattformen zur Internetüberwachunsg gemeint sein, für den auf deutscher Seite das Bundesinnenministerium mit dem Gemeinsamen Informationszentrum (GIZ) nach GTAZ und IMAS ein weiteres Mitglied stellt.

Oder sind damit die Datenbank- und Informationsverbünde aller europäischen Polizei- und Geheimdienstbehörden gemeint, die es weiter und immer weiter auszubauen und miteinander zu verknüpfen gilt? Nein, wahrscheinlich eher der Ausbau des Eurojust-Strafverfolgungsnetzwerkes. Oder es ist einfach das gesamte "Netzwerk" aller Zentren, Datenbanken, Plattformen und Institutionen, mit denen nationale und europäische Trennungen zwischen Polizei-, Justiz-, Militär- und Geheimdienstbehörden schlicht und einfach ausradiert werden.

Siehe auch:
Die Presse - EU will Aufruf zu Terror im Internet bestrafen  

Quelle: http://blog.kairaven.de/archives/1390-Das-3.-Treffen-der-Strategie-Gruppe-zur-Europaeischen-Sicherheitspolitik.html 


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