Gefreiter Roboter kriecht durchs Gelände
geschrieben von europolice | 30 Jun, 2008
Die
Bundeswehr will in Zukunft verstärkt auf Roboter setzen, um die
Soldaten vor Gefahren zu bewahren. «Es ist besser, einen Roboter zu
gefährden, als einen Soldaten», sagte der stellvertretende Inspekteur
des Heeres, Günter Weiler, am Montag im unterfränkischen Hammelburg.
[ddp] Hammelburg. Die Bundeswehr will in Zukunft verstärkt auf Roboter setzen, um die Soldaten vor Gefahren zu bewahren. «Es ist besser, einen Roboter zu gefährden, als einen Soldaten», sagte der stellvertretende Inspekteur des Heeres, Günter Weiler, am Montag im unterfränkischen Hammelburg. Drohnen seien schon jetzt im Einsatz, der nächste konsequente Schritt seien unbemannte Landsysteme, kündigte Weiler bei der Eröffnung der dritten europäischen Leistungsschau für militärische Robotik «Elrob 2008». Bei der Veranstaltung präsentierten Roboterforscher, wozu ihre Modelle jetzt schon in der Lage sind. 25 Entwicklerteams aus neun europäischen Ländern sowie 50 Aussteller, darunter zahlreiche deutsche und internationale Universitäten zeigten den aktuellen Stand der militärischen Robotik-Technik.
Dabei sind neben bekannten Waffenproduzenten wie Diehl oder Rheinmetall auch viele kleinere Anbieter. Gerade einmal fünf Mann groß ist Borjet aus Oberschwaben, das bis vor wenigen Jahren ausschließlich ferngesteuerte Flugzeugmodelle gebaut hat. Neben «Jimmy Classic» und «Little Joe» bietet das Unternehmen aus Baindt/Schachen jetzt auch ein Trägersystem zur Luftaufklärung «Fleye» sowie das landgestützte System «Bormiga». «Das liegt doch nahe», begründet Geschäftsführer Franz Bormann das Engagement im Bereich Robotik. So sei die Fernsteuerung vergleichbar mit der von Flugzeugen, lediglich die Leistung ist etwas höher.
Die Basisversion der «Bormiga» gibt es wahlweise mit vier oder sechs Rädern. Das 50 Kilogramm schwere Alu-Gefährt kann noch einmal die gleiche Last transportieren. Flexibilität ist Trumpf. «Aus der Sechsradversion lässt sich in wenigen Minuten eine Kettenversion machen», erklärt Bormann und fügt stolz hinzu: «Damit können wir im Gegensatz zu den Anderen sogar auf Schnee fahren.» Das Interesse an dem variabel bestückbaren Fahrzeug, das in der günstigsten Version rund 6000 Euro kostet, sei groß. «Wir sind zwar momentan noch ein kleines Licht, aber ich hoffe, wir gehen auf Expansionskurs», erklärt Bormann.
Beim Auftakt der Elrob gaben größere Gefährte den Ton an. Etwa der drei Tonnen schwere «Gecko TRS» der Firma Base Ten aus Halbergmoos. Er wendete auf der Stelle und durchfuhr ferngesteuert eine Wassermulde. TNO aus den Niederlanden zeigte einen Roboter, dessen Sensoren den jeweiligen Kopfbewegungen des Operators folgen. Während das im Einsatz noch Zukunftsmusik ist, wird der «Telerob» schon in der türkischen, dänischen und luxemburgischen Armee eingesetzt. Er kann autonom Treppen überwinden und wird speziell zur Sprengstofferkennung eingesetzt.
Darin sieht der Vize-Heeresinspekteur Weiler eine der Haupteinsatzmöglichkeiten von Robotern. Er unterstrich die Bedeutung der Systeme auch bei der Aufklärung, Konvoibegleitung und bei der Rettung. «Es gibt keine Planungen für waffentragende Systeme», betonte Weiler. Ziel müsse es sein, den Schutz der Menschen zu verbessern, die in aller Welt den Frieden sichern. Roboter könnten die Einsatzkräfte aber nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.
Wann landgestützte unbemannte Fahrzeuge auch in der Bundeswehr Einzug halten, sei noch offen. Zumal erst einige Schwierigkeiten bewältigt werden müssten. «Wir sind weit davon entfernt, einen Apparat zu haben, den man losschickt und der irgendwann automatisch zurückkommt», sagte Dirk Ellinger, Abteilungsleiter Rüstung im Bundesverteidigungsministerium. So orientieren sich die meisten Systeme an GPS-Daten. Nur das «Mucar» der Bundeswehr-Uni München nutzt Lasertechnik zur Orientierung. Dabei werden pro Sekunde eine Million Bildpunkte erfasst. So ist der umgebaute VW-Touareg in der Lage autonom einem Kolonnenfahrzeug zu folgen und den Abstand gleichmäßig zu halten.
Speziell im Vergleich zur ersten militärischen Elrob 2006 verzeichnet der schwedische Robotik-Experte Prof. Henrik Christensen gewaltige Fortschritte: «Wir haben bessere Sensoren, leistungsfähigere Computer und Schnittstellen.» Wichtig sei es jetzt, die Benutzerfreundlichkeit zu verbessern. «Wenn man es schafft, ein Interface zu programmieren, das aussieht wie ein Spiel, hat man gewonnen», sagte Christensen im Blick auf die meist gut 20 Jahre alten Soldaten als Nutzer.
Source: http://www.ad-hoc-news.de/drucken.html?art_id=18006338



