EU überlegt Spezialtruppe gegen Fußball-Gewalt
28 Jan, 2008
Pilotprojekt könnte noch vor EURO 2008 anlaufen - UEFA stellt 35 Millionen Euro für Sicherheit der EM bereit
Brüssel - Wenige Monate vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft erwägt die EU die Einrichtung einer spezialisierten europäischen Polizeitruppe gegen Gewalt im Fußball. Ein Pilotprojekt für entsprechende Schulungen könne noch im nächsten Jahr beginnen, bevor die EURO 2008 in Österreich und der Schweiz anlaufe, sagte EU-Justizkommissar Franco Frattini am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit UEFA-Präsident Michel Platini in Brüssel.
Die EU-Polizeibehörde Europol habe bereits zugesichert, eine solche Ausbildung von Polizeibeamten zu unterstützen, sagte Frattini. Nach den Vorstellungen des Justizkommissars sollen damit künftig "spezielle europäische Einheiten" zur Verfügung stehen, "die bei Notfällen bereitstehen". Die Höhe der von der EU zur Verfügung gestellten Gelder hänge von der Dauer und der genauen Durchführung des Projektes ab, möglich wären aber "einige zig Millionen Euro", sagte Frattini. Eine Finanzierung aus dem EU-Haushalt 2008 wäre ebenfalls gesichert.
Auch über "standardisierte Kriterien" für die Ausbildung von Stewards (Ordnern) in Stadien sollte die EU sprechen, betonte der Justizkommissar. Denkbar wäre seiner Ansicht nach "ein ständiger europäischer Runder Tisch", bei dem die Sicherheitsverantwortlichen der Clubs ihre Erfahrungen regelmäßig austauschten. Der verstärkte Einsatz von Stewards in den Stadien könne die Polizei entlasten und auch Kosten sparen, sagte Frattini. Keinesfalls soll die europäische Polizeitruppe aber in einheitlichen Uniformen auftreten, betonte er. Es gehe lediglich um die Zusammenarbeit nationaler Polizisten und ihre Ausbildung.
Die UEFA wolle die Zusammenarbeit mit Polizei- und Justizbehörden verbessern, "um uns vor Vandalen zu schützen", sagte Platini. Der Verband würde sich an den Kosten einer europäischen Fußball-Polizeitruppe eventuell auch finanziell beteiligen, stellte er in Aussicht.
Nach Worten von Platini hat die UEFA für Sicherheitsausgaben in den Stadien im Rahmen der EURO 2008 35 Millionen Euro zur Verfügung. "Ich würde das Geld lieber für den Jugendsport ausgeben", sagte der UEFA-Präsident. Gewalt sei aber "kein Fußball-typisches, sondern ein gesellschaftliches Phänomen". Im Jahr 2006 beliefen sich die Ausgaben der UEFA für Sicherheitsmaßnahmen in den Stadien auf 8 Millionen Euro, sagte Platini.
Die UEFA arbeite auch eng mit den Schweizer und österreichischen Sicherheitsbehörden zusammen, um gewaltbereite Personen und Gruppen von der EM fern zu halten, versicherte er. Die Behörden in Deutschland und Frankreich hätten zudem ausdrücklich Unterstützung zugesagt.
Die EU-Staaten müssten noch weiter daran arbeiten, Urteile mit Stadien- und Einreiseverboten wechselseitig anzuerkennen, sagte der portugiesische Innenminister Rui Pereira. Er kündigte eine geplante EU-Erklärung an, in der sich die Staaten zu einem verstärkten Datenaustausch über gewalttätige Personen und Gruppen bekennen sollen. Die EU brauche auch Teams von Polizisten, die speziell für Gewalt gegen Fußball geschult würden, betonte er. (APA)






