Biometriegestützte Grenzkontrolle als schlechter Aprilscherz

geschrieben von europolice | 1 Apr, 2008
[kairaven] Was die Bundesregierung in Ihren Antworten auf eine Kleine Anfrage der FDP zum 2004 gestarteten, immer wieder verlängerten und bis heute andauernden Projekt der "Automatischen und Biometriegestützten Grenzkontrolle" am Frankfurter Flughafen zu sagen hat, ist leider ebensowenig ein Aprilscherz wie so viele andere aktionistische Sicherheitsprojekte, mit denen sie der Bevölkerung die Simulation der gefühlten Rundum-Sicherheit verkauft.Waren es 2004 8600 Reisende, die als freiwllige Versuchskaninchen in die Iris-Erkennungskameras schauten, stieg die Anzahl seit 2004 bis 2007 auf insgesamt 22779 Personen, die sich mit ihrer Iris und ihren persönlichen Daten für das Projekt registrierten. Schlimm genug.

Gefragt nach der "Verbesserung des Sicherheitsniveaus bei Grenzkontrollen" durch den biometrischen Iris-Abgleich ließ es sich die Bundesregierung in ihrer Antwort natürlich nicht nehmen, vollmundig zu erklären, wie gut sich die automatische biometrische Grenzkontrolle auf Sicherheit, Schutz und das reibungslose Durchschreiten der Checkpoints auswirke: Die Einführung automatisierter und biometrischer Grenzkontrollen am Flughafen Frankfurt/Main unter Beachtung der geltenden Sicherheitsanforderungen stellt einen viel versprechenden Ansatz dar, welcher ein hohes Maß an Schutz und ein reibungsloses Überschreiten der Außengrenzen im Einklang mit dem Schengen-Besitzstand und den Grundsätzen einer respektvollen Behandlung gewährleistet. Zum "Schutz" und zur "Beachtung des Sicherheitsniveau" gab es ja im Oktober 2007 einen beunruhigenden Testlauf des ZDF Frontal 21 Teams, der den Fraport hintenherum mit heruntergelassenen Hosen zeigte. Aber auch, was die "reibungslose" und "viel versprechende" Iris-Erkennung angeht, zeigt sich die Bundesregierung ein paar Sätze weiter ebenfalls mit heruntergelassenen Hosen.

Da heißt es dann, pro Tag hätten ca. 100 Personen die biometrische "Kontrollspur" genutzt und "die Zahl falscher Abweisungen (d. h. Ausleitung der Reisenden zum Grenzbeamten/zur manuellen Kontrolle) liege gegenwärtig bei weniger als 10 Prozent". Gut, nehmen wir 9 Prozent.

Das heißt, bei 100 Teilnehmern schlug bei 9 Personen pro Tag die tolle automatische Iris-Kontrolle fehl, macht bei allen Teilnehmern ca. 2050 Fehlerkennungen. Würde die automatische Kontrolle bei allen Reisenden angewandt werden, die im Februar 2008 den Fraport nutzten, wären das 346500 Fehlerkennungen in einem Monat gewesen, denn laut Fraport lag die Passagierzahl allein im Februar bei 3,85 Millionen, womit sich die Iris-Erkennung mal wieder eben nicht als die viel versprechende schutzstiftende Sicherheitstechnik entpuppt, für die von der Bunderegierung den Herstellern Millionen in den Rachen geschmießen werden.

Die Bundesregierung behauptet, das hätte mit der Technik nichts zu tun und schiebt das Versagen der Automatischen Grenzkontrolle – denn 9 - 10 Prozent sind Versagen – auf den menschlichen Faktor: "Der überwiegende Teil der Ausleitungen sei auf unsachgemäßes Nutzerverhalten zurück zu führen", was ich wie gesagt für eine Schutzbehauptung halte, um das politische Geschäft mit der biometrischen Kontrolltechnik der Iris-Erkennung weiterbetreiben zu können. Für 2008 stehen weitere 100000 Euro für die Automatische Biometriegestützte Grenzkontrolle am Fraport bereit, sogar deren "Ausbau" und Erweiterung auf den Münchner Flughafen. Den Rest besorgt dann Frattinis Europäische Union.   Source: http://blog.kairaven.de

Artikel kommentieren
 authimage